Illusionsstricken ist ganz einfach

Geschrieben von am 10. Okt 2016 in Alle Beiträge, Strickmuster, Technik | Keine Kommentare

Ein Strickstück sieht auf den ersten Blick einfach gestreift aus. Aber wenn der Blick nicht frontal darauf fällt, sondern von oben oder unten, dann tritt ein vorher nicht wahrgenommenes Muster zutage, ähnlich wie bei einem Hologramm. So verblüffend dieser Effekt beim Illusionsstricken in Erscheinung tritt, genauso einfach ist es, diesen Effekt herzustellen.

Illusionsstricken mit Dreiecks-Muster in Frontalansicht

Auf den ersten Blick einfach nur Streifen, aber …

Illusionsstricken: Das Muster wird beim flachen Blickwinkel sichtbar

… beim flachen Blickwinkel wird das Muster sichtbar.
Maschenprobe gestrickt mit »Flora« von DROPS (210 m/ 50g) in den Farben mittelgrau (04) und gelb (17). Verwendete Nadeln: Cubics von KnitPro in 3,5 mm.

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Nur Ringelstreifen stricken

Du strickst mit zwei Farben je zwei Reihen im Wechsel, also im Grunde nur Ringelstreifen. Alle Hinreihen, also die mit der ungeraden Nummer (1, 3, 5, …) werden immer durchgehend rechts gestrickt. In den Rückreihen (mit den geraden Nummern, 2, 4, 6, …) strickst du rechte und linke Maschen nach einer Strickschrift. Hast du in der ersten Farbe rechte Maschen gestrickt, kommen in der darauffolgenden Farbe an dieser Stelle linke Maschen dran und umgekehrt. Die linken Maschen erscheinen auf der Vorderseite des Strickstückes erhaben, die rechten treten zurück. So nimmt man mal eher die eine Farbe, mal mehr die andere Farbe wahr. Das lässt das Muster in Erscheinung treten.

Illusionsstricken Zick-zack-Muster

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Je flacher der Blickwinkel auf das Gestrick fällt, desto deutlicher tritt das Muster hervor.
Garn: »Flora« von DROPS in den Farben grün (15) und natur (01).

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Ein Zick-Zack-Muster lässt sich ohne Vorlage einfach stricken

Als Einstieg und zum Verständnis zu dieser Technik bedarf es keiner Vorlage. Ich habe bei meinem ersten Versuch ein Zick-Zack-Muster gestrickt: einfach 4 Maschen rechts, 4 Maschen links. Nach vier gestrickten Reihen diese Maschen um 1 versetzen.

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Links: Die gezackten Linien müssen nicht immer gleich breit sein. Rechts: Wenn die Maschen nicht um 1, sondern 2 versetzt werden, entstehen gestauchtere Zackenlinien.

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Ein hoher Kontrast beider verwendeten Farben trägt zum klaren Musterbild bei.
Hier habe ich das Verlaufsgarn Fabel in der Farbe forest (650pl) verwendet, kombiniert mit der Strumpfwolle Classic von Rödel (links) in oliv (16941) und mit der Regia (rechts) in grün (2744). Bei der rechten Farbkombination ist das Muster kaum wahrnehmbar.

Die Rückseite beim Illusionsstricken im Zick-Zack-Muster

Auf der Rückseite ist beim Illusionsstricken das Musters in jeder Ansicht deutlicher zu erkennen als auf der Vorderseite.

Bei dieser Technik gibt es auch eine Vorder- und eine Rückseite. Für Strickstücke, die zwei »schöne« Seiten haben sollen, ist es also weniger geeignet.

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Einfache geometrische Formen stricken

Um eine Musterreihe zu bilden, bedarf es 4 gestrickte Reihen:

  • die Hinreihe mit Farbe 1 mit nur rechten Maschen,
  • die Rückreihe mit Farbe 1, in der rechts und links gestrickt wird,
  • die Hinreihe mit Farbe 2 mit nur rechten Maschen
  • und die Rückreihe mit Farbe 2, in der die linken und rechten Maschen entgegengesetzt zur 1. Farbe gestrickt werden.

Erst in der 5. Reihe geht es also mit der Veränderung des Musters weiter. Dass es so vieler Reihen bedarf, ist beim Motiv zu berücksichtigen. Bei meinem ersten Versuch einen Kreis zu formen, kam daher ein Oval heraus.

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Vorder- und Rückseite des Punktemusters. Auf der Rückseite ist deutlich zu erkennen, dass es sich um Ovale handelt.

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Je flacher der Blickwinkel auf das Gestrick fällt, desto mehr tritt das Muster in Erscheinung.
Garn: »Alpaca« von DROPS (167 m/50g) in den Farben orange (2915) und weizen (2110)

Kleinteilige und filigrane Motive und Muster lassen sich mit dieser Technik nicht gut darstellen. Am besten geeignet sind einfache geometrische Formen: Zackenlinien, Punkte, Quadrate und Dreiecke. Mit diesen Elementen lässt es sich unendlich spielen und eine ungeheure Vielfalt kann entstehen. Aber wenige Maschen reichen nicht aus, um wohlgeformte Motive zu gestalten.

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Auch nach der Modifizierung war ich mit dem Kreis noch nicht zufrieden. Er sieht eher wie ein Achteck aus.
»Alpaca« in den Farben petrol (7240) und lime (7300)

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Jetzt ist ein annähernd runder Kreis entstanden. Gestrickt mit »Alpaca« in den Farben senfgelb (2923) und natur (100).

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Je nach verwendetem Garn kann die Form sich verändern, weil das Verhältnis von Länge zu Breite der Maschen nicht bei jedem Garn gleich ausfällt. Daher ist der Kreis hier wieder eher ein Oval geworden. Gestrickt mit »Flora« (Farbe beige (07) und natur (01)). 

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Auch das erste Herz in dieser Technik ist lang ausgefallen. Um die Proportionen zu verändern, wollte ich nicht einfach ein paar Reihen kürzen. Denn dann würde es eckig werden und die typische Herzform wäre schwer zu erkennen. Daher habe ich es im nächsten Schritt in der Breite um 4 Maschen erweitert.

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Links die Frontalansicht, in der Mitte der schräge Blick auf das Motiv und rechts die Rückseite.
Gestrickt mit »Flora« in den Farben beige (07) und rosa (21)

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Die zweite Variante mit mehr Maschen in der Breite. Dennoch ist es ein schlankes Herz geblieben.

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Das Herz aus flachem Blickwinkel betrachtet, gestrickt aus »Flora« in den Farben dunkelgrau (05) und rosa (21).

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Kostenloser Download mit 3 Motiven zum Illusionsstricken

3-Mustervorlagen-Illusionsstricken-design-wiese

3 Mustervorlagen zum Illusionsstricken kannst du hier herunterladen

Den überarbeiteten Kreis, das Dreiecksmuster und das verbreiterte Herz habe ich als PDF-Vorlage zusammen gestellt. Damit kannst du deine eigenen Strickstücke anfertigen. In den Vorlagen sind nur die Rückreihen gezeichnet. Daher wirken sie gestauchter als es die Motive tatsächlich im Gestrick werden.

Eigene Motive entwickeln

Komplexere Motive mit mehr Details lassen sich besser auf einer größeren Fläche mit mehr Maschen und Reihen modulieren.

Wenn du deine eigenen Muster stricken möchtest, ist es einfacher, eine Vorlage mit allen gestrickten Reihen zu zeichnen. Dann hast du annähernd die richtigen Proportionen deines Motivs vor Augen. Lege ein Raster an. Erstelle z. B. in einem Office-Programm wie Word, OpenOffice oder Excel eine Tabelle. Lege die Breite und Höhe der Tabellenzellen nach deiner Maschenprobe fest. Ja, ohne Maschenprobe geht es nicht! Färbe zwei Zeilen abwechselnd in unterschiedlichen Farben ein. Drucke die Tabelle aus und zeichne den Umriss deines Motivs dort hinein. Anschließend markierst du in den 2. Reihen jeder Farbe welche Maschen links und rechts gestrickt werden müssen, damit dein Muster entsteht.

Ein eigenes Motiv Iim Raster zeichnen

Viele Schritte, um zum eigenen Entwurf zu kommen. Mit meiner Rastervorlage (PDF, 85 KB) kannst du diesen Weg abkürzen. Ich habe ein Raster aufgrund meiner Maschenprobe mit dem Garn »Flora« von DROPS (210 m/50 g) erstellt. Das Raster ist 45 Maschen breit und 124 Reihen hoch. Sollte dies für dein Motiv nicht ausreichen, druckst du den Bogen mehrmals aus und klebst ihn aneinander.

Die Technik des Illusionsstrickens ist ganz einfach

Jede kann es stricken, die rechte und linke Maschen beherrscht. Die Herausforderung liegt eher darin, sich auf das Zählen des Musters zu konzentrieren.

Ich war schon vor einiger Zeit auf das Illusionstricken gestoßen. Beim Online-Händler hatte ich mir damals schon ein Anleitungsbuch in den Warenkorb gelegt. Jetzt bin ich wieder darüber gestolpert und habe es gleich mitbestellt. Wenn du Anregungen und Vorlagen benötigst, kann das kleine Büchlein »Illustionsstricken« aus dem Frechverlag dir eine Hilfe sein. Um die Technik zu lernen, benötigst du es nicht. Weil es wie oben beschrieben ganz einfach ist.

Viel Spaß und gutes Gelingen beim Stricken!

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